Galerie Rüsch - Colonnaden 104 - Hamburg


Direkt zum Seiteninhalt

Vita

Galerie > Uwe Berthold

DURCHSCHEINEND UNWIRKLICHE RÄUME

zu den Farbtonwelten von Uwe Berthold

Künstlerisches Schaffen braucht die Öffentlichkeit, der Kunstschaffende muss raus aus der engen Kammer. Das gilt auch für das Werk des Hamburger Malers Uwe Berthold, dessen Bilder jetzt einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert werden. Was im Atelier geschaffen wurde, hat es verdient, von anderen betrachtet zu werden. Welchen Genuss das bereitet und zu welchem Nachdenken es anregt, können Sie selbst am besten empfinden.

Inspirationen und Kraft schöpfend ist der Maler durch die Welt gereist, hat fremde Kulturen erfahren, Japans Formen und Farben assimiliert, die rote Erde von Ayers Rock in Australien, die glühenden Felder, den Indian Summer Canadas, die hohen Wellen von Surfers Paradise in California, des Djungels Grün auf Inseln der Karibik. Der Anregungen viele mit allen Höhen und Tiefen eines Lebens, mit Freude und Trauer, Glück und Unglück, boten schier unerschöpfliche Quellen von Inspiration.

Wie unsere Augen als Fenster zur Welt gelten können, so ist der Spiegel das Sinnbild unserer Fähigkeiten, uns der Bilder bewusst zu werden, sie zu deuten und sie dank unse-res Gedächtnisses vor das innere Auge rufen zu können. So wird die Brücke geschlagen von der Außen- zur Innenwelt. Sehnsucht und Phantasie werden zu Erlebnis und Er-fahrung. Jedes dieser Bilder ist so verstanden die Entäußerung der inneren Bilder des Malers. Und jedes seiner Bilder verunmöglicht, so verstanden, ein bewertendes Urteilen unter allgemeinen Gesichtspunkten.

Angesichts der Bilder von Uwe Berthold finden wir uns vor sehr eigenen Farbtonwelten. Farbvorhänge scheinen vor sich vor dem Auge des Betrachters auszubreiten - in sich wolkig, atmend. Andere Farben scheinen wie durch einen fadenscheinig gewordenen Stoff hervor, drängen unwirklich aus dem Hintergrund auf die Folie ihrer Sichtbarwerdung. Bisweilen wirken sie auch wie freigestellt, Licht ge-grenzt oder, um im Bild des Vorhangs zu bleiben, wie eine Folie, die sich durch eine transparente Lücke im opak gewordenen Gewebe zeigt.

Tiefe, die sich nähert and Nähe, die flüchtet - real nicht zu verortende Räume öffnen des Malers Farbtonwelten. Allerdings, gegenständliche, dingbezogene Assoziationen lassen sie kaum mehr zu.

Vielmehr verflüchtigen sie sich in rein abstrakten Raumvorstellungen, solchen, die zwar zu denken sind, bisweilen auch geträumt werden, die man aber dreidimensional nie sehen kann, bisweilen jedoch eben in zweidimensionalen Bildern eine "Vorstellung" erfährt. Eine Vorstellung auch in dem Sinne, zu der ein Vorhang aufgezogen werden muss.





Schaffensfreude, Optimismus, Hoffnung, Zuversicht, positives Denken, Heiterkeit, Gelassenheit, auch ein Freisein von physischen oder psychischen Zwängen. Alles schwerwiegende Gründe für künstlerisches Gestalten. Uwe Berthold hat die Heiterkeit der südlichen Sonne auf sein Gemüt wirken lassen und teilt uns diese Stimmung fröhlicher Unbeschwertheit, den Optimismus, die Hoffnung in seinen Arbeiten mit.

Die Malerei, die Sie hier sehen, ist keinen erzählenden Motiven verpflichtet, sondern konfrontiert den Betrachter mit abstrakten Formen. Und auch im Jahre 2009, hundert Jahre nach den ersten abstrakten Kunstwerken des 20. Jahrhunderts, stellt ein entgegenständlichtes Bild eine Herausforderung an uns dar. Es gibt keine Antworten, erzählt keine Geschichten. Aber es stellt Fragen, ruft Gefühle hervor: Ablehnung etwa, Ärger, Irrititation, Sympathie oder Begeisterung. Denn es ist niemandem und nichts verpflichtet, außer sich selbst - und vielleicht - seinem Gegenüber. Jedem Einzelnen können sich Ideen und Gedanken offenbaren, die, neuen Wegen und Räumen gleich, möglicherweise dazu veranlassen, Altes aus einem neuen Blickwinkel heraus betrachten und beurteilen zu können.

Uwe Berthold wurde immer bewusster, dass vieles, was ihn von außen her beeinflusst und beeindruckt, in abstrakter und gegenstandsloser Technik besser auszudrücken sei.

Picasso sagte dazu: "Es gibt keine abstrakte Kunst. Man muss immer mit etwas beginnen. Nachher kann man alle Spuren des Wirklichen entfernen."

Uwe Berthold will nicht das Motiv malen. Das Motiv ist ihm lediglich Anleitung. Er malt das, was ihm in diesem Motiv gefällt, also nicht, was er sieht, sondern was er empfindet. Er zeigt uns die Welt durch seine Brille.

Die Bilder von Uwe Berthold enthalten Eindrücke und Erlebnisse, die man in Worte kleiden könnte. Goldene Inseln im Ozean der Zeit. Print Outs neuronaler Prozesse des Malers.

Lassen Sie sich beim Betrachten der Arbeiten von Uwe Berthold von Georges Braque leiten, der einst sagte: "In der Kunst zählt nur eines: Das, was man nicht erklären kann. Man muss sich mit dem Entdecken begnügen und auf das Erklären verzichten."


Henri Gabriel © d'ART MEDIEN 09/2009


Homepage | Aktuell | Bilderrahmen | Vernissage | Galerie | Allgemeines | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü